Meine
Geschichte (Vorspann) Meine
Geschichte (Kurze Version) Alkohol-Hilfe
8 Jahre
trocken. Es funktioniert.



Hallo, ich heiße
Rainer
bin trockener
Alkoholiker.
Seit 03.11.2003 trocken.
Geboren in Dortmund und
seit 2002
in Hamburg
Tja, wer vielleicht meine
Geschichte kennt ? Mein wirkliches Leben hat ja erst nach
meiner Saufzeit begonnen, so richtig begonnen.
Ich hatte früher in Dortmund gelebt. Jede Arbeit eine
Schietarbeit, weil, nachdem ich meine Lehrfirma irgendwann verlassen
musste, weil die Firma pleite war, ich immer alles annahm, Hauptsache
schnell wieder einen Job, damit ich für EINEN Tag stolz sein
konnte und Grund zum Saufen hatte. Und wenn meine Lehrfirma nicht
pleite gegangen wäre, dann wäre ich noch immer dort,
weil ich nämlich Veränderungen verabscheue.
(Fortsetzung folgt) Guten Tag,
ich heiße Rainer und ich bin Alkoholiker, seit ca. 6 Jahren
bin ich zufrieden
trocken.
Ich habe 27 Jahre lang ganz schön Gas gegeben mit dem
Trinken.
Als ich noch dem Geld hinterher jagte, da habe ich eher am Wochenende
einen drauf gemacht. Oder, wenn's Geld gab (ich war einige Jahre
Leiharbeiter und habe da gut verdient, sehr gut sogar, weil ich immer
lieb funktionierte), dann habe ich am Monatsende mit meinem Pflegesohn
"die Stadt unsicher gemacht". Diesen Herrentag haben wir uns immer
einiges kosten lassen.
Aber immer war Alkohol dabei, denn dann war ich noch mehr der
Tausendsassa, der Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Ich war immer der, der
"auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzte". Ich war immer der
Ansprechpartner, wenn Not am Mann war. Ich konnte noch nie gut NEIN
sagen, auch wenn ich NEIN meinte.
Einfach
hier klicken, um mehr zu erfahren.
Mein neues "Projekt" ist, das Leben nach dem Trinken zu
beschreiben,
denn es ist eine Sache, trocken zu werden, aber eine andere Sache, es
auch zu bleiben. Das höchste Ziel aber ist, nüchtern
zu werden. Es sagte zu mir eine Freundin, die ich sehr
schätze, dass sie seit Jahren das Thema ALKOHOL abgehakt
hätte und nun nicht mehr darüber nachdenke, und da
ich das noch immer tu'n würde wäre ich noch immer
krank. Ja, und so ist es auch: Ein Suchtkranker wird zeit seines Lebens
krank sein. Wenn er clean bleibt, oder der Alkoholiker trocken: Toll,
die Krankheit ist zum Stillstand gekommen, aber sollte derjenige noch
einmal sein Glas mit Alkohol zu sich nehmen, dann geht das Ganze
Spielchen von vorne los. Ich habe selbst beim Meeting der Anonymen
Alkoholiker jemanden kennengelernt, der hat nach 20 Jahren bei einem
Geschäftsessen gemeint: "Warum nicht einen Whisky ?" Ich habe
einen Riesenrespekt vor Rückfällen. Ich war da in
einer Suchttherapie 12 Wochen
SuchtTherapieZentrum Hamburg. Kurz bevor ich meine Therapie
beenden sollte kam H. zu uns. Normalerweise durfte man ein paar Tage
schon nichts getrunken haben, um aufgenommen zu werden, aber H. hatte
eine ganz schön Fahne und bekam dann auch
Distra. H. ist ein toller Mensch gewesen, er blühte
dann in der Therapie so richtig auf. Besuchte mit Freuden alle
Seminare. J. ein anderer Kollege pflegte auch nach der Therapie noch
zuerst regen Kontakt zu H., der in R***stedt wohnte, alleine,
geschieden, ohne Familie, freundlich helle Wohnung. Ich war dann schon
einige Wochen fertig mit der Therapie, da traf ich in zufällig
in R***stedt, und er erzählte, dass er schonmal 3 Glas Bier
kontrolliert trinken könnte; das nächste Mal
zufällig am Bahnhof R***stedt mit Flasche Bier, da war es ihm
schon peinlich und ich sagte großzügig: "Wir sind
doch alle Trinker, ob nass oder trocken (denn ich brauchte ja nicht)".
Als ich ihn dann wieder sah, da irrte er mit Rucksack durch F***sen,
was ca. 6 km von seiner Wohnung liegt und kannte mich nicht mehr. Ja,
so ist das, wenn ein Alkoholiker die irrige Meinung vertritt, alleine
kontroliert trinken zu können, einer, der 2 Wochen Therapie
hatte, dann auch noch. Du, auch nach 20-30 Jahren kannst Du nicht. Du
kanst nie wieder, hörst Du ! Aber lass' Dir Zeit, mach' es
immer nur für Heute. Trocken werden, tja, mit dem
Nicht-mehr-Trinken ist es nicht getan. Wenn ich saufe, dann
verändert sich meine Persönlichkeit. Ich bin nicht
mehr ich und mache viel Scheiße, und am nächsten Tag
ist mir alles so unsäglich peinlich.
Wie oft musste ich "kleine
Brötchen
backen", wie oft musste ich mich für meine Untaten der
vergangenen Nacht entschuldigen, als ich freche und gemeinse SMSse
verfasst habe, die unter die Haut gingen, als ich verurteilte ? Dabei
habe ich mich verurteilt und es nur auf meine Freunde projiziert, was
eigentlich mich ausmacht.(siehe auch Achtsamkeit)Zu
meiner Schande muss ich gestehen, dass ich eigentlich nur trocken
werden wollte, weil es mich nach Hamburg verschlagen hatte, als Folge
meines Trinkens, dass meine Seele und meinen Verstand
verändert hatte.In Hamburg
angekommen war alles, was ich dann erlebte eine ganze Zeit lang eine
Ausnahmesituation, an die ich mich nur schwer gewöhnen konnte.
Zu frisch waren da noch die Verlustgedanken an eine Zeit, in der ich
eine Familie hatte, in der ich in einem eigenen Haus in einem Vorort
Dortmunds wohnte, in einer Zeit, da ich noch einen Job hatte,
der zwar Schiet war, der mir aber viel Geld brachte. Ich weiß
gar nicht mehr, wie lange diese Ausnahmesituation dauerte.Ich trauerte
der Zeit nach, in der ich doch soviel Leid erlebt hatte und projizierte
hinein, dass ich dort irgendeine Sicherheit hatte, die ich jetzt in
Hamburg nicht mehr verspürte.Und deshalb wollte ich nicht mehr
trinken, weil ich in eine liebe Familie aufgenommen worden war, und
weil ich alle paar Wochen einen Rappel bekam und einen Streit
entfachte, um dann in meine Bude nach Sasel zu fahren, auf dem Weg
dorthin schon morgens in aller Frühe mit einem leeren
Schächtelchen Magenbitter und bis Mittag ein sixpack Bier weg.
Ohne dass ich es überhaupt bewußt wahrnahm, dass ich
alles allein getrunken hatte, in kürzester Zeit. Wie er war,
mein tiefster Punkt:
Mein
tiefster Punkt, das war kalter Entzug. Ich selbst habe meinen Entzug
privat in meinem Zimmerchen gemacht. Das war die Hölle. Kalter
Entzug. Da hatte ich denn meinen tiefsten Punkt. Heute weiß
ich, dass das sowas von gefährlich ist, weil man da ins
Delirium fallen kann. Also nicht nachmachen !!!
Man sagte mir mal, dass das ganz schön
mutig gewesen
wäre und auch tödlich hätte enden
können, aber das wusste ich da ja noch nicht.
Naja, ich denke mal, daß das
mehr
Verzweiflung war. Wenn man alle paar Wochen drei Tage durch macht und
am letzten Tag kaum noch krauchen kann, so zittert man und dann hat man
nichts mehr zum Trinken und kein Geld mehr.
Da, wo ich möbliert wohnte hatte ich das Klo mit Waschbecken
über'n Flur, da hätte ich mir einen Eskimo-Flip
zapfen können, aber ich kam nicht hin, so habe ich gezittert.
Ich bin dann irgendwann hingerobbt. Und als es besser ging bin ich zur
Tanke gegangen im Ort 1,8 km entfernt, um mir vom restlichen Geld eine
Telefonkarte zu kaufen. Ich wollte schon einen Jägermeister,
um ruhiger zu werden, war dann aber stark. Auf dem Rückweg
wollte ich in der Stammkneipe nur eine Cola trinken habe's mir aber
dann selbst nicht abgekauft und bin wieder heim. Nun war ich ja wieder
an die Welt angeschlossen mit meiner Karte. Aber saufen wollte ich
nicht mehr.
Ich komme aus einem christlichen Elternhaus, soll
heißen, ich war in einem Kindergarten, wo die Schwestern ihre
Tracht trugen. Schwester Hedwig hatte das Sagen.
Das war damals im Wichernhaus.
Ich schreibe
hier 'was darüber.
Und dann hat mich mein Freund Ulrich, weil er bei
Billy Graham, dem amerikanischen Prediger erweckt wurde zum
EC entschiedenes Christentum "geschleppt". Dort behauptete
ich immer gerne, dass ich nicht nur glaube, sondern, dass ich
weiß, dass es Gott gibt. Zeugnis nennt man das wohl auch. Ja,
ich gab gerne meine Zeugnis. Ulrich ist dann studieren gegangen nach
Marburg und ich orientierte mich zum Geld verdienen. Zwar meinte ich
stets Gottes Führung in meinem Leben zu verspüren,
aber ich war kein Kirchgänger.
Als ich mich dann dem Suff
hingab, da war der Alkohol
mein Gott. Heute, ca. 6 Jahre später brauche ich zumindest
keinen Alkohol mehr zum Leben. Spirituell orientiere ich mich an Taoismus
und Zen.
