Eine Lebensgeschichte (Short Version)   

Ursprünglich komme ich aus der Bierstadt Dortmund, wohne aber seit 2003 in Hamburg.

Ich habe 27 Jahre gesoffen, und da ich Dortmunder war, war das ganz normal. Dortmund war schon immer eine Bierstadt und als Jugendlicher mußte man "einen Stiefel vertragen", wenn man dazu gehören wollte, in einer Clique, also konnte auch ich eine Menge vertragen.

Immer am Wochenende, bevor wir zum Tanzen gingen, die Kumpels und ich, dann gingen wir zuerst in eine Kneipe und soffen den Deckel rund.

Die Kollegen waren meistens so prall, dass ich sie abend heimbringen musste, wohingegen ich, mich noch ganz gut artikulieren konnte und auch nicht alzusehr schwankte.

Als ich dann in die Lehre kam, fand ich zu einer anderen Clique, und dort wurde auch in der Woche getrunken. Wir gingen damals zu Knobeln 3x in der Woche. Ich kam immer nachts heim (wohnte noch bei den Eltern) und musste mich jeden 2. Tag erstmal wieder ausnüchtern. Meine Mutter bat mich TRINK DOCH NICHT SO VIEL, aber das konnte ich da schon gar nicht mehr.

 

Dann lernte ich beim Tanzen meine spätere Frau kennen, und als mich ihre Eltern dann kennenlernen wollten, sind wir zusammen zu deren Campingplatz gefahren, und ich konnte bei meinem späteren Schwiegervater bestehen, weil ich so viel Bier und Schnaps vertragen konnte. Bei der Hochzeit in der Kirche war ich so zu, dass ich beinahe von dem Kniekissen gefallen bin, das vor dem Altar lag.

Ja, es wurde immer getrunken bei meinen Schwiegereltern, und als wir dann zusammen ein Haus gebaut haben, da habe ich immer "heimlich" die Vorräte meiner Schwiegereltern angetrunken. Zu der Zeit musste ich jeden Tag trinken. Meine Frau kritisierte öfters meinen Lebenswandel, immer häufiger sprach sie von Trennung, wenn mal die Kinder aus dem Haus wären.Und dann bin ich auch schon mal wegen meiner Frau und nicht wegen mir zu den Anonymen Alkoholikern gegangen, nur so, um kleine Brötchen zu backen, wie man sagt.

 

Jede Arbeit, die ich hatte, war eine Scheißarbeit, der Streß immer so viel, dass ich immer mehr xxx und Bier trinken musste, bis ich eines Tages einmal wegen Alkoholgenusses in der Pause, im Hochsommer, von einer Leiter viel und einen schweren Knieschaden davontrug und mir schwor, nie wieder Alkohol zu trinken, aber als ich wieder alleine gehen konnte, und das hat ganz schön gedauert, da habe ich mir erstmal einen xxx geholt.

Ich war dann auch noch in einer Rehaklinik, und da konnte man in einer Clique wieder nur bestehen, wenn man immer schön viel Wodka trinken konnte.

So ging das Leben weiter, meine Frau hatte einen Laden und war immer weniger für die Familie da, und ich hatte mal Arbeit und mal war ich arbeitslos, und in den letzten Jahren in xxx , so bis 2002 war ich dann bei einer Leiharbeiterfirma, und dort verdiente ich ganz gut. Und da durfte ich ja trinken, oder nicht, ich verdiente viel Geld und durfte doch entspannen ?

Ich hatte aber immer eine ungemeine Existenzangst, die ich verdrängte mit dem Gedanken: "Ich habe ja Arbeit" Ich soff nicht auf Arbeit, wie soviele der Kollegen, aber ich nahm alles mit, was an Arbeit angeboten wurde, und Schichtdienst hatte ich auch, und dann immer die quälenden Gedanken, aber nur, was wäre, wenn meiner Frau mal was passieren würde, auf Ihren Geschäftsreisen, und ich dann alleine mit dem Haus und allem, von dem ich nichts verstand, von Gelddingen und was weiß ich, denn ich wurde ja auch in nichts eingeweiht, weil ich die meiste Zeit ja in meiner eigenen Welt lebte.

Die Kommunikation mit meiner Frau brach ganz ab, war sowieso nie die beste gewesen. Ich war eine nasser Alkoholiker und ausserdem doch Workoholic, und meine Firma halste mir immer mehr auf, bis ich einen Nervenzusammenbruch hatte, und ich wollte mir die Adern mit einem Teppichmesser öffnen erzählte man mir. Aber da passierte nicht viel, ausser, dass ich xxx bekam und ein wenig krank geschrieben war. Meine Firma kündigte mir, stellte mich dann aber wieder ein und das Spiel ging weiter.

 

Damals hatten wir uns Internet zugelegt, weil es mit dem Laden nicht so besonders lief und wir wollten die Werbung eben über Internet gestalten, nur dass ich die Homepage selbst nicht machen durfte, tat ein Freund von xxx, meiner Frau, ich bekam keine Zugangsdaten oder sowas; hätte mich schon stutzig machen müssen, aber ich soff ja.

Dann hatte ich eine längere Trinkpause von ein paar Monaten, und wollte dann eine Kur haben. Als ich zum Vertrauensarzt musste, den Tag, der ganz am Ende von Dortmund praktizierte, da schneite es, und ich konnte nicht morgens zum Bluttest, da nahm xxx eben die alten Blutwerte mit, als ich noch ganz schlechte Leberwerte hatte. Und ich war schon Monate trocken.

 

Während dieser Zeit hatte ich eine Frau im Internet kennengelernt, die sich als Lebensberaterin ausgab, die sagte mir, wenn ich mal einfach nach Hamburg käme, und meine Frau eifersüchtig machen würde, dann würde meine Frau "mal aufwachen" und die Kommunikation wäre wieder hergestellt.

Diese Lebensberaterin legte die Karten am Telefon (hahaha), ja, und erst als ich in Hamburg war, habe ich erfahren, wie das ging.

Muss man sich so ähnlich wie Telefonsex vorstellen, wo jemand was leckeres beim Bügeln nascht und seine wohligen Gefühle dabei ins Telefon säuselt.

 

Ja, dann kam wegen der Kur jemand von der LVA und meinte, ich solle erstmal auf Entzug, bei den Leberwerten, und dabei hatte ich schon lange nichts mehr getrunken, und meine aktuellen Werte waren so top.

Und da habe ich mich so aufgeregt und den Mann rausgeschmissen...

Und nachmittags sagte xxx, sie hätte einen Kasten Altbier für mich im Kofferraum ihres Autos....Und den habe ich leergemacht über Nacht und xxx 2 Liter habe ich mir noch dazugekauft abends...

Und morgens bin ich dann nach Hamburg gefahren, am 01. April

Und als ich dann am 02. April in Dortmund angerufen habe, da sagte xxx:

"Nein, Dich will ich nicht wiederhaben..."

Bei der Frau in Hamburg durfte ich nicht trinken.

Das ging so über 3 Monate, des Psychoterrors, wobei ich immer wieder aus Trotz getrunken habe, oder weil mich die Situation sehr belastete, was ich alles im Suff weggeworfen habe. Familie, Haus, Grundstück ....

Ich kam mir jämmerlich alleine vor.

 

Ich bekam Arbeitslosengeld nicht zu knapp, aber die Familie wo ich jetzt wohnte saugte mich finanziell aus. Meinte ich, denn das Geld floß nur so durch die Finger. Wahrscheinlich war es aber die Sauferei, die ja immer teuer war.

 

Und so kam es, wie es kommen musste, ich musste mir eine eigene Wohnung suchen.

Klappte dann auch, und nun, in der eigenen Behausung gabe es mit der Sauferei kein Halten mehr.

Ich hatte ja viel nachzuholen, war aber alleine wenig lebensfähig, und bald schon konnte ich meine Miete nicht mehr bezahlen, und jämmerlich rief ich mit meinem letzten Geld meine Frau und meine Eltern an, dass sie mich finanziell unterstützten.

Ich lernte dann meine jetzige Lebenspartnerin kennen, und hielt mich ein wenig zurück mit Saufen, aber mehr ihr zu liebe.

 

Ich machte eine Weiterbildung in Hamburg zum Lageristen, und bald schon lebte ich eine Zeit bei meiner neuen Partnerin. Und immer, wenn ich saufen wollte, dann bin ich wieder in meine Bude gefahren, und machte so richtig 3 Tage einen drauf.

 

Bis einmal ich so kaputt und fertig war, dass ich schwor, das nie wieder zu tun, und eine Woche später war ich wieder unterwegs, vorher hatte ich ja nur 6 Magenlikör getrunken, dann ein Six-Pack Bier und dann war ich nochmal losgegangen, und bin in der einen Kneipe vom Barhocker gefallen in der nächsten die Kellertreppe runter. Ich wachte auf und hatte Panik. Mein Handy hatte ich leer gesimst mit Beleidigungen an meine Freundin, und als ich zitternd in meinem Zimmer aufwachte war nur noch blankes Entsetzen, weil sich alles irgendwie verselbstständigt hatte, ich wusste gar nicht, wie ich den ganzen Mist hatte tun können, es schien, als habe ich gar keine Kontrolle mehr über mich selbst. Ich war dem Wahnsinn nahe. Und ich hatte gottseidank endlich meinen tiefsten Punkt erreicht.

 

Liebe Freunde, ich sagte ja eingangs, dass das die kurze Version ist, aber alles andere würde den Rahmen sprengen.

Als ich da so in meinem Zimmer war, zu kaputt auch nur ins Badezimmer zu kriechen, um vielleicht ein Glas Wasser zu trinken, denn ich hatte ja noch nichtsmals vorgesorgt, wie in früheren Zeiten, dass ich wenigstens noch ein Flasche Bier dahatte für den Morgen danach, da musste ich solange warten, bis ich einigermaßen laufen konnte. Da bin ich zur kilometer weiten Tanke getorkelt und habe mir eine Prepaid-Karte gekauft(aber dieses Mal keinen xxx), um mit meiner Partnerin zu telefonieren und bin auf dem Rückweg an meiner Kneipe vorbeigegangen, und nicht rein "um nur ein Wasser zu trinken hahahahaha", ich habe mich den Samstag ausgenüchtert, Sonntag bin ich zu meiner Partnerin gefahren, wir haben über alles gesprochen, ich erkannte, dass ich süchtig bin. Dass ich Alkoholiker bin, und trinken muss hatte ich schon erkannt, aber nicht, dass ich süchtig bin und mit dem Alkohol nie werde umgehen können, dass war mir nicht klar.

 

Montag bin ich dann zum Hausarzt, und der hat dann alles in die Wege geleitet, dass ich mich zu einer Therapie anmelden konnte, das ist auch nur einfach erklärt, was ich dann alles gemacht habe, und wieviele Therapieabschnitte das waren, aber seit damals bin ich nun schon einige 24 Stunden trocken und ich brauche nicht mehr zu trinken, ich muss nicht mehr trinken, auch wenn ich seitdem schon sooooo eine Menge Scheiß durchgestanden habe, da waren Situationen, da hätte ich früher sofort ein Woche gesoffen, ich schaffe soetwas heute auch nur mit Mineralwasser, denn einen trockenen Hals bekommt man ja immer noch bei Streß.

Für mich persönlich ist es ein Wunder, dass ich nicht trinken brauche

Ich hätte mir früher vorstellen können, dass ich mich totsaufe, aber niemals, dass ich jemals keinen Alkohol mehr trinken würde.

Für uns anonyme Alkoholiker gilt aber eins:

Nur für HEUTE lasse ich das erste Glas stehen.

Es wird nicht davon gesprochen, dass ich nie wieder Alkohol trinke, das kann niemand voraussagen, ob ich nicht irgendwann wieder trinke, aber für HEUTE, das ist ein Zeitraum, den ich überschauen kann, da will ich es schaffen trocken zu bleiben, und wenn mir 24 Stunden zu lang sind, dann unterteile ich mein HEUTE in kleinere Schritte.

Und das ist jetzt alles schon über 5 Jahre her.

Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann und die Weisheit, das eine von dem anderen zu unterscheiden.

Gott gebe mir Geduld mit Veränderungen, die ihre Zeit brauchen, und Wertschätzung für alles, was ich habe, Toleranz gegenüber jenen mit anderen Schwierigkeiten und die Kraft, aufzustehen und es wieder zu versuchen, nur für heute.

Friedrich Christoph Oetinger 1702 - 1782

Nur für HEUTE will ich das ERSTE GLAS stehen lassen

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Meine Entgiftung fand statt in der Suchttagesklinik Alstertor in Hamburg. Siehe auch

KURSBUCH SUCHT

Ein
Wegweiser
durch das
Hamburger Suchthilfesystem

Danach war ich 12 Wochen im SPZ Hummelbüttel.

Ja, das Glas mit der schwappenden Flüssigkeit. Für mich ist das heute ein Wellnessdrink, und ich verstehe, dass alleine schon der Wortteil Drink gefährlich sein kann, um rückfällig zu werden.

Damals, als ich noch in Dortmund zu den Anonymen Alkoholikern ging, sass ein Nasser neben mir, die Buddel in der Tasche. Der pöbelte dann und flog aus dem Meeting, und ich bin gleich mitgegangen und gleich zur Trinkhalle, Schoppen kaufen, danach wurde ich lange nicht mehr nüchtern.

Aber ich kann nun die Schuld nicht bei dem nassen Kollegen suchen, wenn es überhaupt Schuld im Zusammenhang mit Sucht gibt.

Gesoffen habe ich mit meinem eigenen Mund, da hat mich niemand gezwungen. Und so sieht das auch die Umwelt.

Wie es in uns drinnen aussieht interessiert niemanden.

Aber es klappt, man kann es schaffen, wenn man nur zugibt, dass man dem Alkohol gegenüber machtlos ist und immer das erste Glas stehen läßt.

Ich habe es erfahren.

Also, wenn ich hier das schwappende Glas einstelle, dann bin ich mir der Gefahr bewusst, dass jemand mir die Schuld daran gibt, dass er oder sie wieder weiter säuft. Ich hatte den Fall schonmal, wo mir sowas jemand in einem Gästebuch vorgeworfen hat.

Nur: Was der mir da an den fiktiven Kopf geworfen hat, das war das Alibi, was er für sich selbst brauchte, um weiter zu saufen. Wenn er sich jetzt die Leber kaputt säuft, dann sind das seine Schmerzen. Das soll ein ganz elendiger Tod sein, das letzte Stadium vom Suff.

Aber Du kannst es schaffen, davon loszukommen, ich weiß es.

Im Besonderen möchte ich auf den Beitrag Alkoholabhängigkeit-Folgen hinweisen. Alkoholismus ist eine Krankheit und anerkannt, seit 1969 schon. Geh' und hol' Dir Hilfe, oder frag' mich gezielt hier ! Wichtiger als alles andere ist:

Du musst etwas tun ! Und das musst Du für Dich tun ! Und Du bist ganz alleine für Dich zuständig ! Und Du darfst und brauchst nicht darauf zu warten, dass andere auf Dich zukommen, sondern Du musst jetzt aufstehen und etwas ändern, und abmarsch !

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